Satiniert oder poliert? So liest man Finishs auf QC-Fotos (und warum das Licht täuscht)

Anfängerfrage: In QC-Kommentaren lese ich oft „weiche Übergänge satiniert/poliert“ oder „Satinierung zu grob“. Wie beurteilt man das auf einem Foto, wenn für mich alles gleich aussieht?

[[PHOTO: Dettaglio di una cassa con anse satinate sopra e fianco lucido, linea di passaggio ben visibile]]

Redaktionelle Zusammenfassung, nicht unabhängig überprüft.

Erst die Begriffe. Satiniert: Oberfläche mit feinen, parallelen Linien gebürstet, matt. Poliert: spiegelnde Oberfläche. Bei vielen Uhren teilen sich beide Finishs dasselbe Gehäuse, und die heikle Stelle ist genau die Grenze. Bekannte Beispiele: Bei der aktuellen Submariner ist die Oberseite der Bandanstöße satiniert und die Flanken sind poliert; bei der Royal Oak ist die Lünette satiniert mit polierten Fasen.

Worauf man auf den Fotos achtet:

  • Grenzlinie: scharf und gerade, nicht verschwommen oder wellig.
  • Richtung der Linien: alle in dieselbe Richtung auf derselben Fläche.
  • Körnung: gleichmäßig, nicht an einer Stelle gröber.
  • Politur: gerade Spiegelungen, ohne Wellen, die auf nicht plane Flächen hindeuten.

Das Problem ist das Licht. Unter starkem Licht von vorn kann satiniert poliert wirken, und unter weichem Licht kann poliert matt wirken. Deshalb reicht ein einziges Foto nicht: Man braucht mindestens zwei Blickwinkel, am besten einen mit diffusem Licht.

[[PHOTO: Stessa ansa fotografata con luce diretta e con luce diffusa, a confronto]]

Es gilt dasselbe wie beim Glas: Auch dort verändert das Licht alles, siehe Saphir, Entspiegelung und Zyklop auf Fotos. Und die Foto-Anfragen sind die aus wie man nach einem QC fragt, dazu eine Nahaufnahme von Bandanstößen und Band.

Und wenn der Übergang etwas weich ist, ist das ein schwerer Fehler?

Das hängt davon ab, wie sehr man es am Handgelenk sieht. Ein leicht weicher Übergang ist einer der häufigsten Fehler und beeinträchtigt die Funktion nicht. Eine Satinierung in der falschen Richtung oder eine wellige Politur fallen stärker auf. Die Begriffe (Bandanstöße, Mittelteil, Fasen) stehen im Glossar zu Uhrwerken und Teilen.

Zusammenfassung:

  1. Satiniert = feine, parallele Linien, matt; poliert = Spiegel.
  2. Auf den Fotos: scharfe Grenze, Linien in nur einer Richtung, gleichmäßige Körnung, Spiegelungen der Politur ohne Wellen.
  3. Das Licht täuscht: mindestens zwei Blickwinkel, einer mit diffusem Licht.
  4. Etwas weicher Übergang: häufiger und rein optischer Fehler; falsche Richtung oder wellige Politur fallen stärker auf.

Redaktionelle Zusammenfassung, nicht unabhängig überprüft.

Genau. Punkt 3 gilt für fast alles, was man auf QC-Fotos beurteilt.