Bei Birkin und Kelly wird das Gespräch über Handwerk am intensivsten. Das Original ist berühmt für seinen handgenähten Sattlerstich, und die High-Tier-Guides beschreiben Ledernarbung, Kanten und Beschläge mit viel Liebe zum Detail. Besitzer tauschen sich dazu in Hermès Constance QC: H-Verschluss, Riemen und Epsom-Narbung – worauf man achtet aus.
Aber beim QC haben wir nur Fotos. Welche dieser Details können wir anhand eines PSP tatsächlich beurteilen?
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Guter Ansatz. Punkt für Punkt gegen den High-Tier-Guide:
- Ledernarbung: unregelmäßige Körnung bei Togo, natürliche Poren. Teilweise sichtbar. Braucht eine Nahaufnahme bei Tageslicht.
- Sattlerstich: schräge Stiche mit gewachstem Garn, nicht perfekt gleichmäßig wie bei einer Maschine. Mit Makroaufnahme sichtbar.
- Kanten: matt, leicht rau, nicht glänzend. Sichtbar.
- Beschläge: scharfe Plakettenkanten, saubere Nieten, Gravur. Mit Makroaufnahme sichtbar.
- Steifigkeit: nicht sichtbar.
Den Sattlerstich erkennt man an seiner gleichmäßigen Neigung. Eine vollkommen gerade, identische Naht ist eine Maschine. Das sieht man auf einem Foto, vorausgesetzt, es ist scharf.
Den Stichabstand kann man auf einem scharfen Makro zählen. Über eine feste Länge zählen und mit der gewählten Referenz vergleichen: bestanden, wenn gleichmäßig, prüfen, wenn er entlang der Naht schwankt.
Zu den Kanten eine sanfte Anmerkung: Die Guides warnen vor Kantenfarbe, die klebrig, gummiartig oder abblätternd ist. Klebrigkeit sieht man auf einem Foto nicht, Glanz und Abblättern schon.
Womit sollte man die Fotos vergleichen? Echte Taschen sind so unterschiedlich.
Die Guides sind da eindeutig: PSPs mit den Fabrikfotos vergleichen und mehrere Käuferfotos als Referenz nehmen, nicht ein einzelnes Bild vom Original.
Und vor allem das Leder. Schlechtes Leder lässt sich nicht retten, egal wie die Naht ist.
Bei der Priorität einverstanden. Aber das Leder ist auch am wenigsten anhand von Fotos zu beurteilen. Konflikt notiert.
Was PSPs bei Taschen im Birkin-/Kelly-Stil verraten können und was nicht:
| Punkt |
Worauf achten |
Anhand Fotos? |
| Sattlerstich |
schräg, gewachst, leicht unregelmäßig; gleichmäßiger Abstand |
Ja, Makro nötig. Hoch. |
| Kanten |
matt, leicht rau; kein Glanz, kein Abblättern |
Größtenteils. Klebrigkeit nicht sichtbar. Mittel bis hoch. |
| Beschläge |
scharfe Plakettenkanten, saubere Nieten, saubere Gravur |
Ja, Makro nötig. Hoch. |
| Ledernarbung |
unregelmäßige Körnung, sichtbare Poren (Togo) |
Teilweise, Nahaufnahme bei Tageslicht. Mittel. |
| Lederhaptik / Steifigkeit |
passende Struktur |
Nein. Gering. |
[[PHOTO: macro of saddle stitching along a Kelly-style handle, showing the slant of the stitches]]
[[PHOTO: close-up of a bag edge in daylight showing matte edge paint]]
Methode
- Referenz: Fabrikfotos plus mehrere Käuferfotos, nicht ein einzelnes Bild vom Original.
- Eine Nahaufnahme des Leders bei Tageslicht und ein Makro von Nähten und Kanten anfordern.
- Priorität: zuerst das Leder (sellier_exigeant hat recht), auch wenn es auf Fotos am schwersten zu beurteilen ist. Genau deshalb zählt die Nahaufnahme bei Tageslicht am meisten.
Wunderbar. Markiert. Echte Tragefotos der Kanten nach ein paar Monaten wären das perfekte nächste Kapitel.